• Veröffentlicht: 25.01.2016
  • Auf SciViews seit: 14.02.2016
  • Sprache: deutsch
  • Laufzeit:
    0:07:49
Stammzellen

Vom Molch lernen

Der Molch verfügt über die Fähigkeit, kaputtes Gewebe zu regenerieren. Ein Video der Max-Planck-Gesellschaft zeigt, wie sich Forscher von dieser Eigenschaft inspirieren lassen.

Von der SciViews-Autorin

Beim grünlichen Teichmolch können ganze Gliedmaßen und sogar Organe wie das Herz nachwachsen. Während beim Menschen nach einem Infarkt Narbengewebe entsteht, das sich nicht mehr wie ein Muskel zusammenziehen kann, sprießen beim Molch selbst in einem beschädigten Herzen wieder neue Herzmuskelzellen.

Mit diesem Phänomen beschäftigen sich Mediziner wie Thomas Braun vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. Sie hoffen, mit ihrer Forschung Patienten helfen zu können, die einen Herzinfarkt erlitten haben. Beim Molch entwickeln sich nach einem Infarkt etwa bereits ausgereifte Herzmuskelzellen in ein "jugendliches", weitgehend undifferenziertes Stadium zurück. Diese Vorläuferzellen können den Sauerstoffmangel überleben, der durch den Infarkt im Herzen herrscht; sie können sich anschließend vermehren und neue funktionelle Herzmuskelzellen heranreifen lassen.

Zwar findet diese Rückentwicklung von Herzmuskelzellen zu jugendlichen Vorläuferzellen auch im menschlichen Herzen statt, doch das Ausmaß genügt nicht für eine umfassende Reparatur. Das Max-Planck-Team hat entdeckt, dass bei den Molchen Entzündungszellen eine wichtige Rolle bei diesem Vorgang spielen und dabei auch ein Botenstoff namens Onkostatin M. Tatsächlich überlebten in einem Experiment mit Mäusen mehr Herzzellen, wenn die Tiere direkt nach einem Infarkt Onkostatin M bekamen.

Trotzdem ist die Substanz kein Allheilmittel, was das Video auch nicht verschweigt. Beim Menschen erhöht sie das Risiko für Blutgerinnsel, was gerade für Infarktpatienten gefährlich ist. Was der Film jedoch auslässt: Auch bei Mäusen ist die Gabe von Onkostatin M nicht ohne Risiko, wie die Max-Planck-Forscher beobachtet haben. Je länger bei ihnen Onkostatin M im Herzen wirkt, umso mehr verschlechtert sich die Funktion des Herzmuskels.

Der entscheidende Unterschied zwischen Säugern und dem Molch liegt vermutlich im Schicksal der zurückentwickelten Vorläuferzellen. Während bei der Amphibie aus ihnen neue Herzmuskelzellen sprießen, entsteht bei Mensch und Maus vor allem Narbengewebe. Das ist möglicherweise gar nicht mal so nutzlos, wie bislang angenommen, denn es sorgt im angeschlagenen Herzen zumindest für Stabilität. Schließlich muss das menschliche Herz einem viel größeren Druck standhalten als das des Molchs – allzu umfassende Reparaturarbeiten sind daher nicht möglich. Es kommt wohl auf die richtige Balance an: Während in der akuten Phase nach einem Infarkt die Rückentwicklung als Notfallprogramm gute Dienste leistet, muss man sie später blockieren, um den fortschreitenden Funktionsverlust durch zu viel "nutzloses" Narbengewebe zu verhindern.

Schade, dass der Film auf diesen Punkt nicht eingeht. Von einer Produktion der Max-Planck-Gesellschaft erhofft man sich doch eher die ganze Wahrheit. So stellt sich am Ende eines toll gemachten Films das schale Gefühl ein, dass vielleicht durch Weglassen wichtiger Details die Sache spektakulärer gemacht wurde, als sie ist. Trotzdem ist der Film sehenswert, zumal er komplexe Sachverhalte mit schönen Animationen sehr bildhaft erklärt.

Anm. d. Red.: Die Autorin ist auch für das von der Max-Planck-Gesellschaft herausgegebene Magazin MaxPlanckForschung tätig.

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