• Veröffentlicht: 03.02.2016
  • Auf SciViews seit: 16.02.2016
  • Sprache: englisch
  • Laufzeit:
    0:02:04
Kriminalität

Verbrechen vorhersagen

Straftaten vorherzusagen, bevor sie überhaupt begangen werden – dieses Ziel verfolgt predictive policing.

Vom SciViews-Autor

"Polizeipräsenz" – das ist nach der Kölner Silvesternacht ein häufiger vernehmbares Schlagwort in den Medien. Doch wie können die verfügbaren Polizisten so auf ihr Revier verteilt werden, dass ihre Präsenz möglichst effektiv Straftaten verhindert?

Die Antwort US-amerikanischer, britischer und deutscher Polizeipräsidien lautet: mit predictive policing. Das animierte zweiminütige Video des amerikanischen Technikportals The Verge erklärt die Prinzipien dieser "vorhersagenden Polizeiarbeit". Spezielle Software analysiert frühere Straftaten und erstellt daraus eine Landkarte, die die Wahrscheinlichkeit künftiger Straftaten aufzeigt, abhängig von Ort und Zeit.

Wie das Video zeigt, ist eine Grundlage dieser "Hotspot-Analyse" die Beobachtung, dass Verbrechen weitere Verbrechen nach sich ziehen. Für diese zeitliche Korrelation gibt es tatsächlich robuste Daten aus amerikanischen Großstädten, wie der Epidemiologe Gary Slutkin in diesem TED-Video eindrücklich erklärt.

Doch während Slutkin auf soziale Intervention setzt, um die ersten Verbrechen in einem aufflammenden Hotspot zu verhindern, sagt Software wie Predpol und Hunchlab der Polizei nur, wo sie wann herumfahren sollte. An den sozialen Ursachen wie Bildungsarmut, finanzieller Not und zerrütteten familiären Verhältnissen ändert die Software natürlich nichts.

Hierzulande wird die predictive-policing-Software Precops in Bayern und Nordrhein-Westfalen getestet. Seit Mitte 2015 laufen die Projekte, seit November sind auch die Städte Karlsruhe und Stuttgart dabei. Auch aus Berlin gibt es viele Meldungen über ein zunehmendes Interesse. Ergebnisse dagegen liegen noch nicht vor.

Doch zurück zu dem Video selbst: Kein Wort verliert es darüber, ob die Methode tatsächlich wirksam Kriminalität verringert oder ob sie Bürger zu Unrecht unter Verdacht geräten lässt. Stellenweise entsteht so der Eindruck, man sehe hier einen Werbeclip, der noch dadurch verstärkt wird, dass zwei Softwareprodukte unkritisch und unnötig in den Vordergrund gehoben werden. Die Tatsache, dass zwei Softwareprodukte unkritisch und unnötig in den Vordergrund gehoben werden. Ebenfalls unklar bleibt, wozu TheVerge eine – immerhin im Abspann erwähnte – Partnerschaft mit The Marshall Project brauchte. Die überparteiliche Non-Profit-Nachrichtenseite konzentriert sich auf das Thema Strafjustiz und scheint gegenüber predictive policing-Software zumindest aufgeschlossen zu sein.

So gerät ein eigentlich harmloses Erklärstückchen – wider Willen oder nicht – zu einem Instrument der Lobbyarbeit.

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