• Veröffentlicht: 11.03.2011
  • Auf SciViews seit: 12.05.2015
  • Sprache: sonstige
  • Untertitel:
    englisch
  • Laufzeit:
    1:39:14
Raumfahrt

Sehen was Gagarin sah

Faszinierendes Zeitdokument: Die Raumstation ISS folgt den Spuren des ersten Astronauten durchs All.

Vom SciViews-Autor

Ein Flug in den Weltraum wird für die meisten von uns ein Traum bleiben. Doch immerhin können wir den Astronauten manchmal über die Schulter blicken. Im Fall von "First Orbit" sind es sogar die Schultern eines der berühmtesten – weil ersten – Raumfahrer von allen: Juri Gagarin.

"First Orbit" ist das Werk des Briten Christopher Riley, der sich einen Namen als erstklassiger Dokumentarfilmer mit Schwerpunkt auf wissenschaftshistorischen Themen gemacht hat. In diesem Fall musste er allerdings etwas mogeln. Denn Gagarin hatte auf seinem Flug im Jahr 1961 gar keine Kamera dabei; er hatte nicht einmal ein richtiges Fenster in seiner engen Wostok-Raumkapsel. Nur durch eine Luke zur optischen Orientierung namens Vzor erhaschte der erste Mensch im All gelegentliche Blicke auf seinen Heimatplaneten.

Gagarin umkreiste den blauen Planeten ein einziges Mal, am 12. April 1961, in 108 Minuten. Riley machte sich nun den Umstand zunutze, dass die Flugroute der internationalen Raumstation ISS, die die Erde alle 90 Minuten umrundet, etwa einmal pro Woche auf ungefähr demselben Weg verläuft, den auch Gagarins Kapsel genommen hatte: vom Startpunkt im kasachischen Baikonur aus über den Pazifik, über die Südspitze Südamerikas und über Afrika hinweg bis zu seinem Landeplatz in Russland. Rileys Idee, diesen Weg von der Raumstation aus zu filmen, setzte der italienische ISS-Astronaut Paolo Nespoli 2011 im Auftrag des Regisseurs in die Tat um.

Die Originalaufnahmen von Gagarins Start sind ganz am Anfang von Rileys 100-minütigem Werk zu sehen. Der größte Teil des Films besteht aber aus den Aufnahmen des italienischen Astronauten, der aus der Cupola, dem Panoramamodul der ISS, zweifellos einen besseren Ausblick genoss, als Gagarin ihn je hatte.

Kompliziert wurde der Dreh unter anderem dadurch, dass die Erde ihre Tag- und Nachtseite genau so zeigen sollte, wie sie das auch beim Erstflug tat. Das gelang dem Team auch weitgehend. Den Mond allerdings, der gelegentlich im Bild ist, konnte Gagarin ebensowenig sehen wie – natürlich – die in einigen Einstellungen sichtbare Außenstruktur der Raumstation. Einen Erzähler gibt es nicht, stattdessen unterlegte Riley die Bilder mit Musik des Komponisten Philip Sheppard und dem Originalfunkverkehr zwischen Gagarin und dem Flugleiter Sergei Koroljow in der Bodenstation.

"First Orbit" (zu dem es auch ein Making-of gibt) ist ein sehenswertes Zeitdokument. 2011 wurde der Film zum 50. Jahrestag von Gagarins historischem Flug uraufgeführt und seitdem allein auf YouTube über vier Millionen Mal angesehen. Gagarin selbst, der 1968 starb, als er bei einem Trainingsflug mit dem Düsenjet abstürzte, hätte den Ausblick aus der Cupola sicher ebenfalls genossen. Andererseits wäre er aber wohl auch enttäuscht, wenn er erfahren müsste, dass es die Menschheit in über einem halben Jahrhundert, abgesehen von ein paar Ausflügen zum Mond, kaum weiter ins All geschafft hat als er selbst.

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