• Veröffentlicht: 01.01.1982
  • Auf SciViews seit: 29.06.2015
  • Sprache: englisch
  • Laufzeit:
    0:22:09
Vulkanismus

Die große Explosion

Der Ausbruch des Mount St. Helens im Jahr 1980 machte Geschichte. Kurzdoku des US-Landwirtschaftsministeriums mit seltenen Bildern

Vom SciViews-Autor

Am 18. Mai 1980 ereignete sich am Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington einer der größten und spektakulärsten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts. Für die Vulkanologen, die ihn schon beim Erwachen in den Fokus nehmen konnten, erwies er sich als echter Glücksfall: Weil der Berg Teil eines zwar kaum besiedelten, aber touristisch erschlossenen und dadurch zugänglichen Gebirgszugs ist, wurde sein Ausbruch zu einem der bestuntersuchten in der Geschichte der Vulkanforschung – und zu einem Medienereignis, das kaum einer vergessen hat, der jene Wochen per Zeitung oder Fernsehen miterlebt hat.

Einst war Mount St. Helens einer der ebenmäßigsten Vulkane Nordamerikas und wurde durchaus mit dem japanischen Mount Fuji verglichen. Die regelmäßige Kegelgestalt verdankte er seinem – gemessen an den ihn umgebenden Vulkanen – geologisch geringen Alter, das der Erosion noch recht wenig Zeit gegeben hatte. Seit seinem letzten Ausbruch 1857 galt er als ruhend. Doch am 16. März 1980 deutete eine Reihe schwacher Erdbeben darauf hin, dass unter ihm Magma in Bewegung geraten war. Am 25. März erreichten die Beben dann einen ersten Höhepunkt, und am selben Tag erzeugten Dampfexplosionen einen Krater am Gipfel, dem sich bald ein zweiter hinzugesellte. In der Folge intensivierten die Behörden ihre Überwachungsmaßnahmen und ergriffen Schutzmaßnahmen für Bevölkerung und Touristen.

Gegen Ende April begann sich die Nordflanke des Berges aufzuwölben. Zum Finale kam es aber erst drei Wochen später. Am 18. Mai 1980 ereignete sich gegen 8 Uhr 32 lokaler Zeit direkt unter der Nordflanke ein Erdbeben der Magnitude 5,1. Die Folgen waren spektakulär: Die gesamte Nordflanke rutschte ab. Bei diesem größten je beobachteten Bergrutsch wurde das darunter liegende Magma schlagartig von Druck entlastet. Darum perlten im selben Moment die in ihm gelösten Gase aus, ähnlich dem Geschehen in einer geschüttelten Sektflasche. Sie verpufften aber nicht einfach, sondern ließen das zähe Magma geradezu explodieren. Heiße Gase und Lava, die seitlich nach Norden katapultiert wurden, bildeten in der Folge einen großen pyroklastischen Strom, der mit ungeheurer Geschwindigkeit – zwischen 350 und 1080 Kilometer pro Stunde! – ein Gebiet von 37 mal 30 Kilometern verwüstete.

Unterdessen schmolz auch das Eis, das den Gipfel des Vulkans bedeckte. In großen Schlammströmen, so genannten Laharen, mischten sich vulkanische Asche, Schlamm und Wasser zu einer Masse mit der Konsistenz von flüssigem Beton, die zudem noch Geröll und unzählige Baumstämme mit sich führte und auf ihrem Weg entlang von Flüssen und Bächen zahlreiche Brücken zerstörte.

Insgesamt wurden bei dem Ausbruch, der trotz aller Vorsichtsmaßnahmen 57 Todesopfer forderte, rund 1,2 Kubikkilometer Material ausgeworfen. Damit erreichte er den Wert 5 auf dem Vulkanexplosivitätsindex; am Ende war der Berg um gut 400 Meter geschrumpft.

Das Video stammt vom US-Landwirtschaftsministerium USDA und stellt die Ereignisse des Frühjahres 1980 vor, beginnend von den ersten leichten Erdbeben bis hin zur großen Eruption. Der Film verzichtet wohltuend auf Superlative und apokalyptische Übertreibungen. Dafür zeigt er sehr mit sehr beeindruckenden und selten zu sehenden Filmaufnahmen deutlich die direkten und indirekten Auswirkungen eines großen Vulkanausbruchs. Noch unterstrichen werden die eindringlichen Aufnahmen von den manchmal recht trockenen Kommentierungen des Sprechers.

Natürlich kann ein Film des US-Landwirtschaftsministeriums nicht mit Bildern der Eruption und den folgenden Verwüstungen enden, sondern muss auch über Bemühungen zur Wiederaufforstung der vernichteten Waldflächen berichten.

Auf YouTube existiert übrigens auch noch die (Raubkopie einer) Doku des US-Kabelsenders A&E. Sie zeigt ähnliche Bilder, kommt allerdings recht sensationsheischend daher. Sehenswert sind aber in jedem Fall die Szenen, in denen Menschen vor die Kamera geholt wurden, die direkt in die Auswirkungen des Vulkans geraten waren und im Film darüber berichten.

Anm. d. Red.: Zu sehen ist das USDA-Video auf diesem YouTube-Kanal, die urheberrechtliche Quelle des Films ist aber das US-Landwirtschaftsministerium. Das Veröffentlichungsdatum ist uns unbekannt; die oben genannte Angabe 1.1.1982 erfolgte aus technischen Gründen.

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