Diese Seite wird bereitgestellt von: Universität Innsbruck
  • Veröffentlicht: 10.03.2016
  • Auf SciViews seit: 12.03.2016
  • Sprache: deutsch
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Alternativen zur Spritze

Insulin in Tablettenform – was vor zwanzig Jahren noch unmöglich schien, wird dank Nanotechnologie bald möglich sein.

Die Forschungsgruppe um den Innsbrucker pharmazeutischen Technologen Andreas Bernkop-Schnürch ist weltweit führend, wenn es darum geht, Spritzen zu vermeiden. Hier am Innsbrucker Institut für Pharmazie wird aktiv daran geforscht, Wirkstoffe, die bislang nur injiziert werden konnten, oral verfügbar zu machen.

Ganz besonderes Interesse haben die Wissenschaftler um Bernkop-Schnürch dabei an so genannten Biopharmazeutika. Darunter fallen Arzneistoffe, die mit Mitteln der Biotechnologie und gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden, wie zum Beispiel Proteine oder Wirkstoffe auf DNA- oder RNA-Basis. Diese Wirkstoffe sollen gezielt in Vorgänge im Körper eingreifen. "Biopharmazeutika werden immer wichtiger. Der Peptidwirkstoff Insulin ist ein prominentes Beispiel für diese Wirkstoffart. Aber auch bei anderen Medikamenten wie Impfstoffen, Interferonen, Gerinnungsfaktoren oder weiteren Hormonen spielen Biologics eine immer größere Rolle. Bei den Wirkstoff-Neuzulassungen liegen Biopharmazeutika bereits vorne“, erläutert Andreas Bernkop-Schnürch die aktuelle Entwicklung auf dem pharmazeutischen Markt. Ein Nachteil dieser Wirkstoffe ist der, dass sie bislang nur mittels Spritze verabreicht werden können.

Aus diesem Grund arbeitet er mit seiner Forschungsgruppe bereits seit einiger Zeit an verbesserten Verabreichungsformen. In einem Nanomedizin-Projekt entwickelte Bernkop-Schnürch bereits vor über 10 Jahren die so genannte Thiomer-Technologie, bei der die therapeutische Effizienz von Medikamenten mit Hilfe thiolisierter Makromoleküle erhöht wird. Diese werden eingesetzt, um Medikamente zielgenau in den Körper zu transportieren oder eine optimale Wirkstoffaufnahme zu ermöglichen. Ein für die orale Gabe von Biopharmazeutika besonders interessanter Ansatz sind selbstemulgierende Systeme auf fettlöslicher Basis. Dabei lagern die Wissenschaftler den Wirkstoff in eine ölige Lösung ein. Nach der Einnahme bildet diese Öllösung im wässrigen Milieu des menschlichen Dünndarms nanometerkleine Öltröpfchen, die den Wirkstoff dann durch die Schleimschicht ins Blut bringen.

Neben der Technologie spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle: So ist es grundsätzlich schon lange möglich, Insulin oder auch andere Biologics oral zu verabreichen. Die entscheidende Frage ist, wie viel Wirkstoff am Ende im Blut ankommt Hier spielen die Kosten eine große Rolle: Noch vor 15 Jahren mussten zehn Prozent des in einer Tablette enthaltenen Insulins im Blut ankommen, damit die Verabreichungsform wirtschaftlich rentabel war. Heute sind es aufgrund immer effizienterer Herstellungsmethoden rund ein bis zwei Prozent.

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