Diese Seite wird bereitgestellt von: Universität Innsbruck
  • Veröffentlicht: 26.01.2015
  • Auf SciViews seit: 13.01.2016
  • Sprache: deutsch
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    deutsch
  • Laufzeit:
    0:05:43
Archäologie

Archäologie: Westsizilianisches Netzwerk

In Sizilien trafen im 8. Jahrhundert vor Christus viele verschiedene Kulturen aufeinander. Archäologen versuchen nachzuvollziehen, was sich dadurch veränderte.

Eine verlassene antike Stadt am westsizilianischen Berg Monte Iato steht seit 2010 im Mittelpunkt des Forschungsinteresses von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck. Aufgrund seiner Lage galt der Monte Iato in archaischer Zeit als Knotenpunkt verschiedener Gesellschaften und Kulturen. Die indigene Bevölkerung "vermischte" sich mit den neuankommenden Griechen und Phöniziern. Durch Grabungen vor Ort versuchen die Archäologinnen und Archäologen herauszuarbeiten, wie kulturelle Kontakte stattgefunden haben und welche gesellschaftlichen Veränderungen sie mit sich brachten. Besonderen Fokus legen die Wissenschaftler dabei auf Kulte, Rituale und Religion.

Bereits in den 1970er Jahren fanden Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich am Monte Iato eine verlassene Stadt hellenistischer Zeit, die bis dahin nur durch literarische Überlieferungen und entsprechende Münzfunde mit der Inschrift "Iaitas" bekannt war. Bereits im 7. Jahrhundert vor Christus gab es an jener Stelle ein Dorf mit Weilern, deren führende Familien mit Phöniziern und Griechen gastfreundschaftliche Kontakte pflegten, Prestigegüter austauschten und gegen Wein und Olivenöl saisonale Arbeitskräfte in die griechischen Kolonien lieferten. Um die Mitte des 6. Jahrhundert vor Christus führte diese Vernetzung und Tauschökonomie der einheimischen Oberhäupter mit Gastfreunden in den griechischen Kolonien Selinunt und Himera zur Herausbildung einer Führungsschicht auf dem Monte Iato. Diese, ausgestattet mit der Expertenmacht und Technologie ihrer griechischen Gastfreunde, eignete sich die damals "mondäne" Lebenskultur der Griechen an, um sich so von den übrigen Dorfbewohnern sozial und kulturell abzuheben. Um 300 vor Christus wurde schließlich die einst in der indigenen Tradition errichtete Höhensiedlung auf dem Monte Iato nach dem Muster einer griechischen Stadt in eine Gesamtanlage mit Plätzen, Straßen, einem Theater und Prachtbauten als Wohnsitze reicher Familien umgebaut.

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Kommentare

#1 Umbruch vom Matriarchat zum Patriarchat

Neuerdings ist es Mode, von "Ahnenkult" statt von Göttinnen-Verehrung zu sprechen. Fadenscheinig, denn parallel dazu wurde im Video ein Plan gezeigt, wo eindeutig der Tempel als Aphrodite-Tempel gekennzeichnet war...

#2 ...innen und ...er oder ...Innen?

Ich habe vor kurzem einen schönen Artikel über die richtige Schreibweise unter Berücksichtigung der Geschlechtergleichstellung gelesen, ein scilog von Spektrum glaube ich. Welche Schreibweise wird dem Anspruch gerecht, hat welche Vor- und Nachteile - und ob es überhaupt nötig ist. Der obige Artikel hält sich auffallend (fast) konsequent an die Doppelnennung, um politisch korrekt zu bleiben. Meiner Ansicht nach kann man das nur schwerlich “gerecht“ machen. In diesem Fall ziehen die Männer den Kürzeren, da sie stets als zweite genannt werden (Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler; Archäologinnen und Archäologen). Warum nicht von einer “Forschungsgruppe der Uni Innsbruck“ reden? Und warum wird hier nicht auch von “Griechinnen und Griechen“ oder von “Phönizierinnen und Phöniziern“ gesprochen? Muss man nicht letztendlich auch sagen: der Mensch und die Menschin? Ich persönlich finde, dass man einfach bei der herkömmlichen Schreibweise bleiben sollte, jeder weiß, wie das gemeint ist, und es liest und - vor allem - spricht sich auch besser...

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